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Auf dieser Seite sammeln wir populäre Mythen, die sich um die Holakratie-Praxis ranken, um sie zu korrigieren. Hier eine Auswahl hartnäckiger Missverständnisse.

Mythos Warum es Nonsens ist
„Der Lead-Link darf Leute gegen ihren Willen Rollen zuweisen.“ Niemand kann in Holakratie dazu genötigt werden, Rollen anzunehmen, die er oder sie nicht aus freien Stücken annehmen möchte. Das gilt übrigens auch für gewählte Rollen (Secretary, Rep Link, Facilitator). Man muss keinen gültigen Einwand vorbringen. Es reicht die Annahme der Rolle zu verweigern.

Abgesehen von anders lautenden Arbeitsvereinbarungen, vertraglichen Vereinbarungen oder Einschränkungen durch Richtlinien, dürfen Rollen auch jederzeit wieder niedergelegt werden.

„Projekte und Aktionen dürfen nur in Tactical Meetings vergeben werden“ Stimmt nicht. Tactical Meetings sind nur Sonderfälle der operativen Dimension von Holacracy. Die Regeln, die dort gelten, gelten jederzeit auch außerhalb von Tactical Meetings. Die wichtigsten Regeln sind hier (PDF „Autorität und Verantwortlichkeit für Rollenfüller“) zusammengefasst.
„Governance-Änderungen können außerhalb von Governance-Meetings beschlossen werden.“ Falsch. Die Governance der Organisation darf nur innerhalb von Governance Meetings verändert werden. Einzige Ausnahme bildet der Prozess asynchroner Governance, den ein Kreis sich qua Richtlinie selber erlauben kann. Hierbei werden Vorschläge im Software-Tool eingestellt und nach einer gewissen Frist angenommen, sofern es keine Einwände gibt. Falls Einwände auftreten, wird der Vorschlag in ein Governance Meeting eskaliert.
„Accountabilities für andere Rollen schränken meine Rollen dahingehend ein, die definierte Tätigkeit nicht auch tun zu dürfen“ Unzutreffend. Jeder Rollenfüller darf alles tun, was ihn nach seinem Ermessen bei der Erfüllung des Purpose oder den Accountabilities seiner Rolle nützen würde, solange er keine Domänen oder Richtlinien dabei verletzt. Dass man eine Accountability von einer anderen Rolle explizit erwarten kann, bedeutet keinerlei Einschränkung für meine Rollen. Was von einer anderen Rolle erwartet wird, darf ich jederzeit selber tun, wenn es meiner Rolle dienen würde.

Das einzige Governance-Konstrukt, das anderen Rollen Einschränkungen auferlegen kann, sind Domänen/ Richtlinien.

„Der Spannungsinhaber muss die Lösung für seine Spannung kennen“ (im Tactical und im Governance Termin) Nein. Das ist ja das Gute am Meeting. Du bekommst Hilfe bei der Lösung deiner Spannung von den Kreismitgliedern. Im Tactical Meeting bietet dir der Facilitator fünf verschiedene Pfade an, die du nutzen kannst, um deine Spannung zu lösen. Du hast keine Idee, dann ist der beste Pfad, um Ideen zu bitten oder nach den notwendigen Informationen zu fragen.

Im Governance Meeting brauchst du nicht mal einen Vorschlag mitbringen – deine Spannung reicht. Der Facilitator kann einen Raum aufmachen, um einen initialen Vorschlag zu etablieren, der dann weiter prozessiert wird. Die Hürde, um deine Spannungen prozessieren zu können, ist wirklich gering. Du musst nur das Problem benennen können, dann kann der Prozess (und deine Kollegen) dir helfen.

Checklisten werden vom Lead-Link vergeben“ Gemäß der allgemeinen Pflichten, die laut Verfassung für alle Rollenfüller gleichermaßen gelten (eine findest du Kurzübersicht hier), muss jede Rolle jeder anderen Rolle nach Bedarf Transparenz in die laufenden Projekte und Aktionen bieten. Checklisten sind nur ein Sonderfall dieser allgemeinen Auskunftspflicht. Daher darf jede Rolle –nicht nur der Lead Link – von jeder anderen Rolle durch Checklistenpunkte Transparenz über jegliche Tätigkeiten, die in den Accountabilities der Rolle expliziert sind, für Tactical Meetings einfordern. Man kann natürlich auch außerhalb der Meetings vom Rollenfüller abfragen, ob er eine bestimmte Accountability energetisiert hat.
„Als Rollenfüller im Kreis muss ich zu Tactical und Governance Terminen kommen“ Nein. Wenn du keine Spannungen hast und Wichtigeres zu tun hast, dann musst du nicht kommen. Es gibt keine Anwesenheitspflicht. Es ist natürlich netter, wenn du dich in diesen Fällen kurz abmeldest. Falls andere Rollenfüller Spannungen damit haben, dass du öfter abwesend bist, dann können sie dich darum bitten für das nächste Meeting zu kommen. Falls du keine im Konflikt stehenden Termine in deinem Kalender hast, dann hast du die Pflicht, deine Anwesenheit für diesen Termin höher zu priorisieren gegenüber der Ausführung deiner sonstigen Projekte und Aktionen.
„Es können im Tactical keine Projekte/Aktionen an abwesende Rollen vergeben werden“ Doch. Wenn die Rolle abwesend ist, dann wird davon ausgegangen, dass sie das Projekt, bzw. die Aktion annimmt. Falls sie es im Nachhinein ablehnt, muss sie begründen, warum sie es nicht in ihren Accountabilities sieht. Wenn ein Projekt von einer abwesenden Rolle angefragt wird, dann kann der Lead Link stellvertretend für die abwesende Rolle widersprechen, sofern er es nicht als zu der Rolle zugehörig sieht. Ansonsten wird es standardmäßig angenommen.
„Wenn ich ein Projekt für meine Rolle angenommen habe, dann muss ich das alleine durchführen“ Mitnichten. Wenn du ein Projekt in einer Deiner Rollen annimmst, dann bedeutet das nicht, dass du nicht mit anderen Rollen zusammenarbeiten oder dir Hilfe oder Zuarbeiten von anderen Kollegen anfordern kannst. Es heißt nur, dass deine Rolle das Ergebnis des Projekts gegenüber dem Kreis verantwortet (z.B. während der Projekt-Updates im Tactical) und dafür sorgen soll, dass es erreicht wird – wie auch immer du das anstellst. Erinnere dich, dass du die Autorität hast alles zu tun, was nach deiner Einschätzung deiner Rolle dienen würde, um ihren Purpose zu erfüllen (es sei denn, du verletzt Domänen anderer Rollen oder brichst die Regeln der Verfassung). Dir Hilfe zu holen oder Aktionen oder Projekte von allen Rollen anzufordern fällt definitiv unter diese Freiheit.